- Nachruf Dr. Bernard Rimland -

  • Am 21. November 2006 verstarb einer der größten Kämpfer auf dem Gebiet des Autismus, ein Mann, der viele Jahrzehnte für die Forschung nach den Ursachen des Autismus gekämpft hat : Dr. Bernard Rimland. Er war selbst Vater eines autistischen Sohnes, Marc, und gründete 19.. das Autism Research Institute (ARI) in San Diego, USA. Von dort aus trieb er die Forschung an, um die Welt von dem „Kühlschrankmütter verursachen Autismus“-Vorurteil zu befreien.
    Dr. Stephen M. Edelson, der die Leitung des ARI übernimmt, sagt über ihn: ”Dr. Rimland wird als die Person in die Geschichte eingehen, die die `finsteren Zeiten` des Autismus beendet hat und beim Kampf um Hoffnung und Hilfe für autistische Kinder an der Spitze stand. Als er in den 1960ern seine Arbeit auf dem Gebiet des Autismus begann, machten die Psychiater die Eltern für den Autismus ihrer Kinder verantwortlich, institutionalisierten diese Kinder und `behandelten` sie, indem sie sie mittels Medikamenten ruhig stellten. Heute erhalten autistische Kinder wirksame erzieherische Maßnahmen und biomedizinische Behandlungen, was dramatische Verbesserungen und häufig sogar Genesung bringt. Bei jedem Schritt dieser Revolution bereitete Dr. Rimland den Weg – und bei jedem Schritt musste er erbittert gegen das Establishment ankämpfen, das sich dem Fortschritt entgegenstellte.“

    Als sein Sohn Mark 1956 geboren wurde, hatten weder er, seine Frau Gloria noch der Kinderarzt jemals etwas von Autismus gehört. Erst als Mark 2 Jahre alt war, stieß Gloria beim Aufräumen der Garage auf alte Aufzeichnungen aus ihrer Collegezeit und las dort über Kinder mit ähnlichen Symptomen wie Mark sie hatte. Hier begegnete Bernard Rimland zum ersten Mal der Begriff „Autismus“. Dr. Rimlands Kampf um Hilfe für autistische Kinder begann in den frühen 1960er Jahren, als die Psychoanalyse regierte und Fachleute glaubten, Autismus sei verursacht von “Kühlschrankmüttern”, die unbewusst ihre Kinder ablehnten. Behandlungen, wie sie von führenden Kapazitäten wie Bruno Bettelheim und anderen Psychoanalytikern durchgeführt wurden, beinhalteten z.B., dass Kinder gegen Statuen traten, die ihre Mütter repräsentierten, oder auf diese spuckten. Aufgrund seiner eigenen Erfahrung war Dr.Rimland klar, dass diese Theorie falsch und zerstörerisch war, und er machte sich auf, alles, was man über Autismus wusste, ausfindig zu machen. Er durchsuchte Büchereien nach Artikeln über Autismus, darunter auch ausländische Artikel, die er übersetzen ließ, und fand, wie er später sagte, „nicht den geringsten Hinweis“, der die Hypothese, schlechte Eltern verursachten Autismus, unterstütze. Was er dagegen entdeckte, waren schlagkräftige Beweise dafür, dass Autismus eine biologische Störung sei – eine Tatsache, die uns heute selbstverständlich scheint, die damals aber revolutionär war.
    Als nächsten Schritt gründete er die National Society for Autistic Children (NSAC), heute bekannt als Autism Society of America. Durch diese Gruppe konnten sich Eltern von Kindern mit Autismus – damals eine sehr seltene Störung – gegenseitig moralische Unterstützung und praktische Ratschläge darüber geben, welche Therapien funktionierten und welche nicht. Dr. Rimland gründete ASA in erster Linie, um die “Verhaltensmodifikation” (heute bekannt als “Applied Behavioral Analysis” ABA) zu fördern, eine Behandlung, die damals von einem sehr umstrittenen Psychologen namens Ivar Lovaas eingeführt wurde. Autoritäten auf dem Gebiet des Autismus spotteten damals über Lovaas´ Behauptung, autistischen Kindern könne mit etwas so einfachem und unkompliziertem wie Verhaltensmodifikation geholfen werden, aber Dr. Rimland verbreitete sein Wissen durch die NSAC und die Eltern begannen für diese Therapie für ihre Kinder zu kämpfen. Heute ist ABA ganz selbstverständlich die Behandlung der Wahl zur Erziehung autistischer Kinder und viele, die schon früh mit ABA behandelt werden, machen dramatische Fortschritte.      Dr. Rimland war jedoch klar, dass mit erzieherischen Maßnahmen alleine eine so verheerende biologische Störung wie Autismus nicht angemessen angegangen werden konnte. 1967 gründete er das gemeinnützige Autism Research Institute ARI, um ein weltweites Forschungszentrum und einen Standort für biomedizinische Behandlungen (von denen es damals so gut wie keine gab) zu haben. 1985 ging er in den beruflichen Ruhestand – er war Psychologe bei der Navy gewesen – um den Rest seiner Lebenszeit der Autismusforschung zu widmen. Die erste Behandlungsmethode, die Dr. Rimland basierend auf Berichten von Eltern autistischer Kinder untersuchte, war hoch dosiertes Vitamin B6. Andere Fachleute auf dem Gebiet des Autismus hielten die Idee, dass ein Vitamin eine Gehirnstörung korrigieren könne, für lächerlich, aber Zeit und Forschung bewiesen, dass sie falsch lagen. Heute gibt es 22 Studien (darunter 13 doppelblind-Studien), die zeigen, dass Vitamin B6 kombiniert mit Magnesium einem großen Teil der autistischen Kinder hilft. Er organisierte auch Studien über die Wirksamkeit von DMG. Zu Beginn seiner Arbeit erhielt Dr. Rimland viele Berichte über Kinder, die bevor sie die DPT Impfungen bekamen, keine Behinderung hatten. Mit der Zeit nahm die Anzahl solcher Berichte lawinenartig zu, andere Impfungen eingeschlossen. Mit steigender Anzahl der Impfungen, die die Kinder erhielten, wuchs die Autismusrate stetig an. Als Dr. Rimland erfuhr, dass die meisten Kinderimpfungen Thimerosal – ein Konservierungsstoff, der fast zur 50% aus Quecksilber, einem starken Neurotoxin, besteht – enthielten, erkannte er, dass die steigende Zahl von Impfungen, die man Kindern gab, schuld sein könnte am raketenhaften Anstieg der Autismusrate. Sein Verdacht wuchs, als er entdeckte, dass die Symptome des Autismus sehr ähnlich den Symptomen einer Quecksilbervergiftung waren.
    Das medizinische Establishment reagierte auf diese Theorie erwartungsgemäß mit großem Widerstand. Sie verschlossen auch die Augen gegenüber den starken Beweisen, die eine Verbindung zeigten zu Weizen- und Milchproteinen, chronischen Maserninfektionen im Darm von MMR-Impfungen und anderen Umweltfaktoren als Verursacher oder Verstärker des Autismus. Und sie verspotteten die biomedizinischen Behandlungen weiter, sogar als hunderte oder sogar tausende Eltern berichteten, dass diese Behandlungen halfen – oft sogar dramatisch. Also startete Dr. Rimland ein weiteres neues Projekt, dieses Mal mit dem Ziel Ursachen des Autismus schnell ausfindig machen zu können und sichere und wirksame Behandlungsmethoden, die die Schulmedizin nicht überprüfen wollte, zu fördern. Um diese Mission zu vollenden schuf er das Defeat Autism Now! (DAN!)-Projekt. Er startete das Projekt in den 1990ern, indem er dutzende der weltweit führenden Forscher auf verschiedenen Gebieten zusammenbrachte, um einen dem heutigen Stand der Wissenschaften entsprechenden Behandlungsplan aufzustellen und die wichtigsten Forschungsziele zu bestimmen. Dieses erste kleine Treffen entwickelte sich zu einer weltweiten DAN!-Bewegung, zu der heute große Konferenzen, bedeutende Forschungsprojekte, ein Behandlungsprotokoll und hunderte von DAN!-ausgebildeten Ärzten gehören.

    Dr. Rimland war auch Berater für „Rainman“ – den Oskar-prämierten Film, der Millionen von Kinogängern in die Welt des autistischen Savants einführte. Als Herausgeber der Zeitschrift „Autism Research Review International“, jetzt im 20. Jahrgang, versorgte er Eltern und Professionelle mit entscheidenden Informationen über Forschung und Behandlung von Autismus. Markenzeichen waren seine Leitartikel, in denen er das medizinische Establishment oft scharf dafür verurteilte, dass es nicht in der Lage war (und ist), autistischen Kindern zu helfen.

    Neben all diesen Aktivitäten fand Dr. Rimland doch immer noch die Zeit, sich persönlich um betroffene Familien zu kümmern. Er beantwortete Anfragen und Hilfegesuche vieler verzweifelter Eltern und spielte auch mal mit großem Vergnügen bei der Autismus – Ortsgruppe in San Diego den Weihnachtsmann.

    Wir hoffen sehr, dass das ARI seine wegweisende Arbeit auch ohne Dr. Rimlands Leitung weiterführen kann und sein Kampfgeist auf seine Nachfolger übergeht. Wir bedanken uns auch bei Dr. Rimlands Frau Gloria, die die Arbeit und den Kampfgeist mit ihm geteilt hat. Er hat uns ein großes Stück auf dem langen Weg zur Erforschung des Autismus gewiesen und das Schicksal vieler Kinder erheblich erleichtert. Wir hoffen auch sehr, dass sich seine Erkennntnisse und Bemühungen endlich im Bewusstsein unserer deutschen Mediziner und Therapeuten festsetzen und diese die von Dr. Rimland eingeschlagene Richtung gemeinsam mit uns Eltern weitergehen !!!!

    Wenn Sie, lieber Leser, weitere Projekte zum Thema Arbeit-/Beschäftigung für Autisten kennen bzw. evtl. eine Idee dazu haben, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns dies mitteilen. Bitte nutzen Sie dazu unser Feedbackformular!
    Danke!

  • Letztes Update erfolgte am: 12. Feb 2007